Caroline von Gunten
Unlearn to draw (Hand, Katze), 2022/2023
Eine Hand, deren Pinzettengriff mit Daumen und Zeigefinger sich gerade öffnet und etwas fallen lässt. Es ist eine Katze, die sich nun im freien Flug befindet und hoffentlich auf ihren Füssen landen wird. Die Keramikarbeit von Caroline von Gunten ist Teil der Werkserie «Unlearn to draw», in der sich die Künstlerin mit dem Erzählen von Geschichten auseinandersetzt. Die dazu gehörenden gebrannten und glasierten Tonskulpturen sind Ausdruck von Erzählungen, die von Gunten während einer längeren Forschungsreise in Texten und Skizzen gesammelt und anschliessend in Form gebracht hat. Diese werden zu einem doppelten Zweck konzipiert: Zunächst entwirft die Künstlerin die einzelnen Arbeiten als Gefässe und verwendet sie in partizipativen Aktionen. Die Keramikgefässe sollen berührt und es soll aus und mit ihnen gegessen werden. Mit dem Einbezug des Publikums eröffnet von Gunten die Möglichkeit, dass dieses durch Berührung seine individuellen und persönlichen Geschichten ins Objekt einschreibt. In einem zweiten Schritt reinigt die Künstlerin die Gefässe und bringt sie in den Ausstellungsraum, wo sie diese in einer narrativen Komposition an der Wand installiert, dabei werden die Geschichten des vorgängigen Publikums als assoziative Erinnerungsstücke mitgetragen. Die Werke dieser Serie stellen allesamt Gesten dar. Neben der Hand mit Pinzettengriff (einer der wichtigsten Meilensteine in der Entwicklung der menschlichen Feinmotorik) und der Katze befinden sich in der Sammlung des Kunstmuseums Thun auch ein Arm, der einen Kopf umschliesst (Inv. 7256) oder ein auf zwei Armen liegender Kopf (Inv. 7255). Mit der Präsentation im Ausstellungsraum öffnet von Gunten wiederum den Raum für neue Erzählungen. Das Werk wird 2023 an der Cantonale Bern Jura im Kunstmuseum Thun angekauft.
Chiara Ottavi
Leichte Sprache
2 Stücke aus Keramik erzählen eine Geschichte.
Eine Hand zeigt Daumen und Zeige-Finger,
wie sie greifen.
Gerade hielten sie noch etwas fest.
Nun fällt es herunter.
Das ist eine Katze.
Kopf und Schwanz schauen nach unten.
Oben am Rücken hat sie so etwas wie einen Griff.
Die Beine hängen lang herunter.
Die Katze wird auf ihren Füssen landen.
Im Kunstmuseum Thun gibt es noch weitere Keramiken:
– Einen Arm um einen Kopf
– Einen Kopf, der auf 2 Armen liegt
Alles Gesten.
Alles mit Händen.
Diese Stücke haben eine Vor-Geschichte.
Die Künstlerin lädt Publikum ein.
Die Menschen benutzen die Keramik.
Zum Essen.
Aber auch zum Geschichten spielen.
Erst dann werden die Keramiken zu Ausstellungs-Stücken.
Die Künstlerin entscheidet,
wie sie an der Wand hängen.
So entstehen Geschichten.
Was ist Ihre Geschichte?
Sara Smidt