Henry Moore
The Artist's Hand, 1979
Es sind Hände, die bereits Spuren des Lebens tragen, manchmal verlässt sie die Kraft. Sie bewahren die Erinnerung an Bewegungen und Erschaffenes. Für den Bildhauer Henry Moore sind seine Hände Symbol für künstlerische Innovation und Ausdruck. Sie sind sein Werkzeug, mit dem er Formen findet und festhält, mit dem er Kunst erschafft. In vielen Zeichnungen dokumentiert er Beobachtungen zu seinen Händen. 1980 entsteht die Mappe «The Artist’s Hand» (Die Hand des Künstlers), in der er in drei Lithografien und zwei Radierungen die Hand in den Fokus stellt. Neben Kopf und Gesicht seien die Hände die ausdrucksvollsten Teile des menschlichen Körpers, bemerkt Moore in einem Begleittext zur Mappe. Sie zeigen, spüren, sprechen, wehren ab, berühren, kämpfen, beschützen und kreieren. Sie sind das nächstliegende Modell für Kunstschaffende. Als junger Mann war es ein skulpturales Modell seiner Hand, das Moore ein Stipendium am Royal College of Art in London einbrachte. Mit dieser Mappe zollt er nun Jahrzehnte später seinen Händen Respekt, die im Alter von Arthritis geplagt werden. Indem Moore die Hände zeichnerisch festhält, verschmelzen Werkzeug und Gegenstand und schaffen einen Moment des Nachdenkens über den zyklischen Schöpfungsprozess, in dem der Künstler zum Beobachter und gleichzeitig zum Beobachteten wird.
Anja Seiler
Leichte Sprache
Die Hände sind das wichtigste Werk-zeug von Kunst-schaffenden.
Hier zeichnet der Künstler Henry Moore seine eigenen Hände.
Hände
zeichnen
greifen
spüren
berühren
beschützen.
Die Hände sind immer da
als Modell.
Sie sind stark im Ausdruck.
Als junger Künstler gestaltete Moore Hände.
So bekam er einen Platz an der Kunst-hoch-Schule.
Nun zeichnet er sie wieder mit 81 Jahren.
Im Alter haben sie Falten.
Er kann die Finger nicht mehr ganz strecken.
Sie schmerzen.
Sara Smidt