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Gottfried Tritten
Susanna im Bade, 1972–1974

Flüchtig scheint der Blick auf die Frau: Mal erhascht man die Beine, mal ein in einen Umhang gehüllten Arm, dann den nackten Oberkörper oder den Rücken. Die verschie-denen Ansichten lassen darauf schliessen, dass der Blick nicht zufällig, sondern gezielt ist. Anfang der 1970er-Jahre erschafft Gottfried Tritten einen 16-teiligen Zyklus, komplett in Schwarz-Weiss gehalten. Dabei sind zwölf Bilder figurativ, die restlichen vier weisen typografische Elemente auf. Wie oft in seinem Werk wählt Tritten ein Thema, das ihn über mehrere Jahre beschäftigt. In diesem Zyklus ist es die Geschichte von Susanna im Bade. Diese basiert auf einer biblischen Erzählung, in der Susanna in ihrem Garten beim Ba-den von zwei älteren Männern bedrängt wird. Mitte des 16. Jahrhunderts nimmt der itali-enische Renaissancemaler Tintoretto diese Geschichte als Inspiration, um mehrere Ge-mälde zu schaffen. Tintoretto beleuchtet Susanna in voller Blösse, während die beiden Voyeure hinter Rosenranken hervorschauen. Tritten hingegen legt den Fokus auf die Frau, die Männer sind nicht dargestellt. Er wählt Fragmente des Frauenkörpers, jedes Bild zeigt unterschiedliche Ausschnitte und verschiedene Haltungen. Doch genau diese Fragmentierung kann als stellvertretender Blick des Mannes gewertet werden, der so auch den Betrachtenden aufgezwungen wird. Die Betrachtenden werden zum Voyeur, der rasche, wohl aber lüsterne Blicke auf Susanna erhascht. In vier Bildern verweist Trit-ten auf Quellen, die bei seiner Recherche grundlegend waren. Er macht deutlich, dass der Zyklus als Hommage an Tintoretto zu verstehen ist und erklärt die Farbwahl, indem er eine Überlegung Tintorettos zitiert. Mit einem Ausschnitt aus Leonard Cohens Lied «Suzanne» verschiebt er das Thema zudem ins 20. Jahrhundert. Cohen besingt darin sein gedankliches Liebesbegehren der Tänzerin Suzanne Verdal, die einst mit einem Freund Cohens liiert war.

Anja Seiler

Leichte Sprache

Leichte Sprache

16 Bilder und
immer das gleiche Thema.
Wir sehen eine nackte Frau.
Aber immer nur Teile wie
den Rücken,
die Beine
oder den Ober-Körper.

Der Künstler wählt eine alte Geschichte
aus der Bibel.
Von vielen Künstlern immer wieder gemalt.
Die Geschichte:
Susanna badet in der Natur.
Sie glaubt,
sie sei alleine.
Doch 2 Männer beobachten sie
aus einem Versteck.
Es geht um den heimlichen Blick der Männer.
Um ihr Begehren.
Um ihre Macht.

Der Künstler malt nur Susanna,
ohne Männer.
Nun sind wir es,
die schauen.

4 Bilder haben Schrift.
Der Künstler schreibt über seine Anregung.
Es war der berühmte Künstler Tintoretto.
Auch von ihm gibt es Bilder zu
Susanna im Bade.

Tintoretto hat seinen Schülern gesagt:
Schwarz ist die Königin der Farben.

Übersetzung Sara Smidt

Titel
Susanna im Bade
Künstler*in
Gottfried Tritten (1923–2015)
Datierung
1972–1974
Technik
Acryl und Collage auf Papier auf Novopan
Dimensionen
Bildmass: 78 x 78 cm
Creditline
Kunstmuseum Thun, Depositum Förderverein Kunstmuseum Thun
Inventarnummer
1070
Bereich
Schlagwörter