Hans Gerber
sitzende Figur, 1954
Im künstlerischen Schaffen von Hans Gerber taucht das Motiv der «Sitzenden Figur» immer wieder auf, und im weiteren Sinn zählen dazu auch Werke wie die Zeichnung «Knieender mit ausgebreiteten Armen» von 1951 oder die Bronzeplastik «Krie-chender», von 1952–1953. Nach anfänglich naturgetreuen, quasi akademischen Aktdarstellungen wie der «Ruhende Jüng-ling» von 1938 – ebenfalls in der Sammlung des Kunstmuseum Thun –, entwickelt Gerber später eigenständigere, stilisierte und auf die wesentliche Pose vereinfachte Körperdarstellungen. Hier beschränkt er sich auf eine Figur ohne Gesichtsaus-druck, ohne Arme und untere Beinpartie. Die Sitzstellung wird lediglich durch die Oberschenkel angedeutet, und die Glied-massen bleiben bis auf den Aufliegepunkt beim Gesäss in der Luft. Obwohl in Ruhestellung, wirkt die Figur dynamisch und durch die Biegung und Spannung des Körpers athletisch, bewegt.
Marc Munter
Leichte Sprache
Eine Figur balanciert auf einem roten Sockel.
Sie sitzt.
Die Beine ragen in die Höhe.
Es sind nur die Ober-schenkel.
Der Rest fehlt.
Auch die Arme fehlen.
Und wir sehen kein Gesicht.
Doch der Ober-körper zeigt Bewegung.
Er ist nach vorne gebeugt.
Wir sehen also nicht einen natur-getreuen Menschen.
Wir sehen eine einfache Körper-haltung:
Sitzen.
Sara Smidt