Hans Gerber
ohne Titel, 12.9.1957
Im Nachlass von Hans Gerber im Kunstmuseum Thun gibt es mehrere Aquarelle aus dem Jahr 1957, die durch ihre farbliche Verdichtung und radikale Abstraktion auffallen. Allesamt unbetitelt, bieten sie auch inhaltlich keinen eindeutigen Anhaltspunkt. Gerber steht damit in einer Tradition ungegenständlicher, expressiver Kunst der Nachkriegszeit, die Ende der 1940er-Jahre von den USA herkommend bald Europa erreicht; etwa mit dem Tachismus oder dem Informel.
Bei diesem Aquarell unterstreicht Gerber mit dem aufgemalten Raster den Grad der Abstraktion. Das Bild erscheint so noch vielschichtiger und verunklärt gleichzeitig die Sicht auf die dahinterliegenden Ebenen. Der Künstler schafft bewusst Distanz zwischen uns Betrachtenden und dem Bild und betont dessen Künstlichkeit, seinen Status als Kunstwerk. Umso stärker tritt die Malerei als solche hervor, mit ihrer schillernden Farbigkeit in Rot, Braun, Orange, Gelb, Blau und etwas Grün, die herbstlich, winterlich anmutet. Weiter erinnern die teils schlingernden, teil fleckigen Partien hinter dem Raster an Wachsendes und Wucherndes, quasi leitmotivisch für das abstrakte Bild an sich.
Marc Munter
Leichte Sprache
Hans Gerber malte im Jahr 1957 mehrere Aquarelle.
Die Bilder sind sehr farbig und abstrakt.
Sie haben keinen Titel.
Man kann deshalb nicht genau sagen, was auf den Bildern dargestellt ist.
Gerber lässt sich von der Kunstrichtung Tachismus inspirieren.
In dieser arbeiteten Kunstschaffende oft mit Farben, Formen und Linien, ohne konkrete Dinge zu zeigen.
Bei diesem Aquarell malt Gerber zusätzlich ein Raster über das Bild.
Dadurch wirkt das Bild noch geheimnisvoller.
Man kann die verschiedenen Ebenen nur schwer erkennen.
Das Raster schafft Abstand zwischen dem Bild und uns.
Wir sehen dadurch besonders gut, dass das Bild ein Kunstwerk ist.
Hinter dem Raster sehen manche Formen aus wie etwas, das wächst und wuchert.
Doch genau erkennen kann man es nicht.
Anja Seiler