Marta Herzog
ohne Titel, o.D. (1990er-Jahre)
Im Zentrum von Marta Herzogs Gemälde steht eine die ganze Leinwand ausfüllende O-Form, welche allerdings nicht zentral platziert ist. Der Hintergrund besteht aus einem hellen Rot, das stellenweise durch das Weiss hindurchschimmert und der Fläche eine lebendige Tiefe verleiht. Die oberen zwei Drittel der O-Form sind in Weiss gehalten, das untere Drittel in einem veilchenfarbenen Ton. Dazwischen zieht sich eine feine, gebauchte rote Linie, die die Teilung markiert. Erst diese schmale, sanft gerundete Linie lässt die zunächst flächige Form in ein dreidimensionales Objekt kippen – in ein Ei. Die Malweise bleibt bewusst flächig, der Pinselauftrag ist deutlich erkennbar und betont die Materialität der Farbe. Aufgebracht ist das Motiv auf eine Leinwand, die wohl nie auf einen Keilrahmen gespannt war. Die Ränder hat Herzog während des Malprozesses mit Klebeband abgedeckt, wodurch das Gemälde eine präzise, fast objekthafte Begrenzung erhält. Das Gemälde entstand Mitte der 1990er- Jahre, praktisch zeitgleich mit einer Reihe von Bildern, in der sich Herzog mit aus der Natur vorgefundenen Formen beschäftigte, die sie abstrahiert und seriell überlagert, um ihnen so ein minimalistisches und geheimnisvolles Aussehen zu verleihen. Das Werk kommt 2025 durch eine Schenkung in die Sammlung des Kunstmuseum Thun.
Cornelius Krell
Leichte Sprache
Ist dies ein Frühstücks-Ei?
Es würde umfallen.
Es sind einfach Flächen.
Und ein Farben-Spiel.
Es gibt eine besondere Linie.
Sie verändert unsere Wahr-nehmung.
Die runde Linie
zwischen der weissen und der hell-lila Fläche
macht den Unter-schied.
So sehen wir die Flächen als Form,
nicht mehr als Fläche.
Das Weiss wird rund wie ein Ei.
Sara Smidt