Elisa Daubner
Ohne Titel, 2024
Zwei Holzstücke sind mit feinen Nägeln und Schrauben zu einem Wandobjekt verbunden. Das eine, ein schmaler Streifen, ist orange bemalt. Entlang seines linken Randes sind in regelmässigem Abstand dutzende Löcher gebohrt, die optisch eine Punktlinie erzeugen. Das zweite, grössere Brett zeigt eine aufgemalte schwarze Form: eine geschwungene, vertikal ausgerichtete Erhebung, die an eine Hügel- oder Kuppenlandschaft erinnert. Unterhalb der Mitte entspringt dieser schwarzen Fläche ein feines Linienbündel, das wie Haarsträhnen oder ein kleiner Besen nach rechts unten ausstrahlt und dabei der Holzmaserung entgegenläuft. Gefasst wird das grössere Brett an drei Seiten von schmalen Holzleisten.
Das Werk reiht sich in Elisa Daubners Serie angeeigneter objets trouvés ein. Ausgangspunkt jeder Arbeit sind Holzgegenstände, die die Künstlerin in Brockenhäusern, bei Hausräumungen oder am Strassenrand findet – Schubladen, Serviettenhalter, Brotbretter oder Kisten in unterschiedlichsten Formaten. Mit subtil eingesetzten grafischen Eingriffen reagiert Daubner auf die vorgefundenen Objekte. Die sparsam gesetzten Zeichen und Symbole evozieren Assoziationen an archaisch-rituelle Artefakte indigener Kulturen.
Daubner, die bei Hanns Schimansky an der Hochschule der Künste Berlin studierte, entwickelte früh eine eigenständige zeichnerische Bildsprache. Indem sie diese auf gefundene Alltagsobjekte überträgt, öffnen ihre Arbeiten ein Spannungsfeld zwischen Kunst und Nicht-Kunst, Bild und Objekt sowie zwischen Zeichen und Bedeutung.
Cornelius Krell
Leichte Sprache
Die Künstlerin geht mit offenen Augen durch die Welt.
Dann findet sie etwas aus Holz.
Am Strassenrand
in Brocken-Stuben
oder bei Haus-Räumungen.
Zum Beispiel ein Holz-Brett.
Noch ist es keine Kunst.
Dann greift die Künstlerin ein.
Ganz fein.
Jetzt lädt das Objekt zum genauen Sehen ein.
Kunst.
Hier werden 2 Holz-Bretter verbunden.
Links ragt ein schmaler oranger Streifen in die Höhe.
Am Rand sehen wir eine Linie aus Punkten.
Es sind gebohrte Löcher.
Das andere Brett ist bemalt.
Nur wenig.
Übersetzung Sara Smidt