Elisa Daubner
Ohne Titel, 2024
Das schmale Sperrholzbrett, das oben zu einer dreieckigen Spitze zuläuft, wird durch Elisa Daubners Bearbeitung von einem gefundenen Objekt in eine abstrakte Bildwelt transformiert. Ein Viertel des Brettes ist schwarz bemalt, während darüber eine langgezogene, blutrote Form ebenfalls spitz zuläuft. Die Maserung des Holzes bleibt sichtbar und betont die Materialität des Fundstücks. Ausgehend von der Spitze zieht sich eine lange schwarze Linie bis zur Mitte der roten Form, wo sie in einem schwarzen Punkt endet.
Wie in Daubners Werk üblich, wird das Objekt von seiner ursprünglichen Funktion entkoppelt und zu einer Bühne für ein Spiel aus Linie, Form und Farbe. Die abstrahierten Zeichen, hier in Form der roten und schwarzen Fläche, sowie der Linie und des Punktes, öffnen einen Raum für Assoziationen: ist es ein Wegweiser, ein Schild für Federhalter oder ein Zaunelement? Während die rote Form und die schwarze Linie zunächst eine narrativ lesbare Struktur suggerieren, bleibt die Bedeutung letztlich offen – ein Spiegel von Daubners Prinzip, dass Sinn nicht zentral, sondern die Erfahrung des Sehens selbst im Vordergrund steht.
Cornelius Krell
Leichte Sprache
Weg-Weiser?
Zaun-Latte?
Schreib-Feder?
Zeichen einer anderen Welt?
Der Sinn entsteht beim Sehen.
Bei jedem anders.
Die Künstlerin schaut genau.
Sie findet ein schmales Brett
und bemalt es.
Sparsam.
So entsteht ein Kunst-Objekt.
Weg von der bisherigen Funktion.
Hin zu einer neuen Geschichte.
Übersetzung Sara Smidt