Hans Gerber
Franziskus, 1933 / 1934
Wie in einem Moment der Versunkenheit hält die schlanke Bronzefigur «Franziskus» von Hans Gerber ihr Haupt leicht nach hinten geneigt, mit geschlossenen Augen und halbgeöffnetem Mund über dem vorgereckten Hals. Sie wirkt konzentriert in ihrem aufrechten Stand, und die Hände an den leicht angewinkelten Armen geben vor, etwas zu empfangen oder zu halten. Der Titel nimmt Bezug auf den heiligen Franziskus beziehungsweise Franz von Assisi (1181/1182–1226). Als Schutzpatron der Tiere hält dieser auf religiösen Darstellungen häufig Vögel in den Händen. 1933 verbringt Hans Gerber mehrere Monate mit seinem Lebenspartner, dem Schriftsteller Hans Walter, am Monte Verità in Ascona. Dort lebt und arbeitet er in der Casa Francesco, einem einfachen Häuschen erbaut von Karl Gräser. Er modelliert Menschen aus der Umgebung, zerstört jedoch die meisten der entstandenen Arbeiten wieder. Inspiriert von den Fresken des heiligen Franziskus, die sich damals an den Wänden des Häuschens befanden, entsteht die Skulptur des «Franziskus». In der schlichten, vergeistigten Pose steht sie dem Symbolismus nahe, der in der Schweiz zuvor durch Künstler wie Ferdinand Hodler oder Félix Vallotton Verbreitung findet. Die Skulptur zählt zu den ersten (noch erhaltenen) bildhauerischen Arbeiten Gerbers.
Anja Seiler
Leichte Sprache
Eine schlanke Figur schaut in die Ferne.
Der Mann hält die Hände offen.
Wie wenn er sagen würde:
Komm zu mir.
Setze dich auf meine Hände.
Ich bin dein Freund.
Vielleicht sieht er Vögel.
Es ist der heilige Franziskus.
Das ist der Schutz-heilige der Tiere.
Er heisst Franz von Assisi.
Oft wird er mit Vögeln gemalt.
So auch in einem Haus im Tessin.
Dort lebte der Künstler einige Monate auf dem Monte Verità.
Er sah die Wand-malerei mit dem Heiligen
und machte eine Skulptur daraus.
Sie gehört zu den frühen Arbeiten von Gerber.
Sara Smidt