Hans Gerber
Collage 74/M 77, 30.1.1974
In seinen «Letzten Aufzeichnungen»[Auteur in2.1] von 1970–1972 hält Gerber fest: «Manchmal beschreite ich mit meinen Collagen Gebiete, als wäre ich auf dem Mond geboren worden.» So wie die Papierausschnitte seiner «Collage 74 / M 77» erkennbare Motive aufweisen, die Komposition aber uneindeutig bleibt, so ist seine Erklärung aus den Aufzeichnungen zwar verständlich, aber doch einer Fantasie entnommen. Gerber versteht seine Collagen als «poetisch und geheimnisvoll»: So wirkt auch das kopfstehende Bildnis auf der Collage von 1974, die von einem Spannungsverhältnis zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion lebt. Wie bei einer Maske sind Kieferpartie und Augen ausgespart und werden von einem propellerförmigen Stiel durchbohrt. Dieser balanciert den Kopf als sonderbare und surreal wirkende Trophäe, Büste oder Totem auf einem rechteckigen Sockel. Die grosszügigen Leerflächen des Bildgrundes verleihen der Collage zugleich eine ruhige, konzentrierte Wirkung und lenken den Blick auf das sorgfältig austarierte Zusammenspiel von Form, Material und Raum, das beinahe wie eine Skulptur im Ausstellungsraum wirkt.
Anja Seiler
Zitat: Hans Gerber, «Letzte Aufzeichnungen. 1970–1972», in: Hans Walter Fonds, Schweizerisches Literaturarchiv, Nationalbibliothek Bern, SLA-HW-E-1-A-1/3.
Leichte Sprache
Ein Gesicht steht Kopf.
Es sieht aus wie eine Maske.
Hohle Augen.
Es klebt an einem Art Propeller.
Hebt das Gesicht gleich ab?
Doch der Sockel wirkt schwer.
Er holt alles zurück auf den Boden.
So wirkt das Motiv wie eine Skulptur.
Mit viel Raum rund-herum.
Geheimnis-voll
Sara Smidt