Hans Gerber
Collage 73/M 4, 1.2./2.2.1973
Ab den 1970er-Jahren nimmt Hans Gerber bei einigen Papierarbeiten wie der «Collage 73 / M 4» eine sichtliche Weiterbearbeitung vor. Das Schmirgeln der Oberflächen und Abschleifen der Ränder der aufgeklebten Papierstücke lässt dabei deutlich den Bildhauer hinter den Werken erkennen. Gerber will damit die Grenzen der einzelnen Papierfragmente zum Verschwinden bringen. Mit dem Eingriff erzielt er eine Wirkung, bei der die einzelnen Papierstücke ineinander zu gleiten scheinen.
Gerbers Fokus liegt, selbst in seinen zweidimensionalen Arbeiten, stets auf der räumlichen Wahrnehmung. Schon 1964 notiert er dazu: «Meine Collagen sind minimale Reliefs». Der Eingriff mit dem Abschleifen hinterlässt zusätzliche Vertiefungen. Die von hellgelb über rötlich braun bis tiefschwarz verwobenen Formen erscheinen wie ein Geflecht und verstärken ebenso die dreidimensionale Wirkung. Halbtransparent und mit verschwommenen Konturen wirken sie auf raffinierte Weise aber auch malerisch.
Marc Munter
Zitat: Hans Gerber, in: «Kleines schwarzes Buch (Carnet)», 1964, Hans Walter Fonds, Schweizerisches Literaturarchiv, Nationalbibliothek Bern, E-1-A-1/3 (Teil 1).
Leichte Sprache
Bei den Collagen sehen wir immer die scharfen Schnitt-kanten.
Hier nicht.
Das Bild sieht eher gemalt als geklebt aus.
Gerber entwickelt eine neue Technik.
Es ist eine geschliffene Collage.
Das geht so:
Zuerst schneidet er Formen aus Papier aus.
Er klebt die Formen auf.
Über-einander und neben-einander.
Dann nimmt er Schmirgel-papier.
Das hat eine sehr raue Ober-fläche.
Damit bearbeitet Gerber die Kanten der Formen.
Sie werden weich. Sie verschwimmen.
Grenzen verschwinden.
Ein Raum.
Was ist vorne?
Was ist hinten?
Sara Smidt