Hans Gerber
Collage 70/818, 15.1.–17.1.1970
Unter seiner Collage 70/818 vermerkt Hans Gerber: «Begonnen am 15. Januar 1970. Beendet am 17. Januar (H. W.’s Geburtstag)». Mit dem Kürzel ist Hans Walter gemeint, der Freund Gerbers und Stifter seines Nachlasses. Die Entstehungsdaten und der Geburtstag machen deutlich, wie Tagesumstände, Erlebnisse und Stimmungen in die Arbeit des Künstlers einfliessen.
Bei dieser Collage flankieren zwei antike Bildnisköpfe einen antiken Jünglingstorso, der von der Zeichnung einer historischen Seeschlacht überblendet wird. Eine Art Kulisse hinterfängt das Ensemble, welches schliesslich über einem abstrakten Bildgrund «schwebt»: über vier fast geometrisch angeordneten Rechtecken in Rotbraun und Grauschwarz, den Grundfarben der Collage. Hier schliesst sich tagebuchartig der Kreis zu Gerbers Biografie: Anfänglich ist er figurativer Bildhauer, beeindruckt unter anderem von antiken Skulpturen im archäologischen Museum in Florenz, die er dort 1939 erstmals sieht. Rund zehn Jahre später wendet er sich der abstrakten Bildhauerei, Zeichnung und Collage zu. Wobei er Abstraktion und Figuration immer wieder verspielt und spannend miteinander kombiniert.
Marc Munter
Leichte Sprache
Ein türkis-blauer Jüngling schwebt im Bild.
Es ist eine Skulptur aus der Antike.
Diese Farbe sticht hervor.
Der Hinter-grund besteht aus gedeckten Farben.
Wein-rot, Grau und Schwarz.
Das Grau wirkt fast wie ein Sternen-Himmel.
Was schwebt noch auf dem Bild?
Zu Beginn seiner Künstler-Laufbahn machte Gerber Skulpturen.
Menschliche Körper.
Nun baut er sie in die Collagen ein.
Es gibt eine verspielte Spannung
zwischen den Körper-formen
und den abstrakten Formen.
Abstrakt heisst: nur Flächen ohne erkennbaren Gegenstand.
Sara Smidt