Hans Gerber
Collage 66/591 (Carceri X, Serie A), 14. /16.12.1966
Schief windet sich eine kurvige Treppe gegen die Bildmitte, wo sie in einen schmalen Weg übergeht, der bald im Dunkel hoher Wandflächen endet. Wie es die Bezeichnung «Carceri» (Kerker) der Werkreihe von Hans Gerber andeutet, wirkt die räumliche Szenerie auf der «Collage 66/591» undurchdringlich und verschlossen. Unser Blick verliert sich in der verwinkelten Architektur, wo kein eigentlicher Weg hindurchführt, geschweige denn hinaus. Im dekonstruierten Raumgefüge sind Anklänge beim Kubismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts auszumachen und bei der Entdeckung der Collage zu dieser Zeit: mittels Ausschnitten aus diversen Zeitschriften wurden neuartige, oft surreal anmutende Bildräume geschaffen. Ebenso wirkt das Schwarzweiss von Gerbers Collage historisch, und wie die Kubist:innen setzt er sich mit Fragen der Wahrnehmung und der Psyche auseinander. Die «Carceri» sind Ausdruck eines Zustandes und dessen Überwindung: In ihnen bändigt er seine «Langeweile», die Gewohnheit an sich selbst, wie er mehrfach betont. Allerdings nicht ohne Humor: «‹I miei Carceri›: […] Wie ist es doch herrlich, die Langeweile in die skurrilsten Gebilde einzusperren!»
Marc Munter
Zitat: Hans Gerber, in: Notizbuch (blau), ab 1966, Schweizerisches Literaturarchiv, SLA-HW-E-1-A-1/3 (Teil 1).
Leichte Sprache
Diese Collage heisst Carceri.
Das heisst Kerker.
So fühlt sich der Künstler.
Eine Treppe führt in die Dunkelheit.
Wände stehen kreuz und quer.
Räume der Fantasie.
Alles in Schwarz-Weiss.
Die Stimmung wirkt bedrückend.
Sara Smidt