Hans Gerber
Blatt 2 (aus: 12 Skizzenblätter), 1951
Das «Blatt 2» aus einer Reihe von zwölf Skizzenblättern von Hans Gerber ist eine seiner typischen Figurenzeichnungen aus dieser Zeit: Als Linie ist sie in einem «Schwung» wie ein Zeichen zu Papier gebracht und einer Karikatur oder Comic-Figur nicht unähnlich. Zumal sie über ihren dünnen Beinen ein markantes Gesäss als grosses, auf den Kopf gestelltes Herz zeigt und über ihrer engen Taille ihr Gesicht nach uns wendet: langgezogen und mit grossem Mund, der es zur Grimasse verzieht, schaut sie uns neckisch von der Seite an. Das Groteske und Humoristische an der Figur mag beabsichtigt sein, gleichzeitig geht es dem Künstler um mehr: Die wohlgeformten Rundungen und die Zeichnung aus «einem Guss» kehren als Gestaltungsprinzipien in seinen Skulpturen wieder. Gerber versetzt seine Figurendarstellungen immer wieder in Bewegung, ähnlich wie andere Künstler:innen zu dieser Zeit, insbesondere die Zürcher Konkreten: etwa Sophie Taeuber-Arp mit ihren Zeichnungen von «Bewegten Linien» oder Max Bill mit Motiven wie der «Endlosschleife».
Marc Munter
Leichte Sprache
Eine einzige Linie
ergibt den Schwung
von einem Körper.
Was erkennst du?
Die Figur scheint zu laufen.
Mit dünnen Beinen.
Oben wendet sich die Figur uns zu.
Wie ein Blick über die Schulter.
Die Taille ist sehr schmal.
Das Hinter-teil dagegen sehr gross.
Wie ein umgedrehtes Herz.
Die Zeichnung ist ähnlich wie Gerbers Skulpturen.
Es geht um Bewegung.
Sara Smidt