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Reto Leibundgut, Sabine Portenier, Dominik Stauck, Frühstück mit Manet, 2000, Kunstmuseum Thun, Foto: Christian Helmle (Detail)

Unsere Sammlung

1945 plädierte der Maler Alfred Glaus (1890–1971) in einem Zeitungsartikel für einen mutigen Schritt: Er forderte die Einrichtung einer öffentlichen Kunstsammlung. Der Gemeinderat der Stadt beschloss, für den Aufbau der Kunstsammlung der Stadt Thun einen speziellen Ausschuss zu gründen – die Kunstkommission (später KobiK genannt). Die erste Ausstellung delegierte der Gemeinderat an die Thuner Kunstgesellschaft. Alfred Glaus wurde als Konservator eingesetzt, und im Erdgeschoss des vom Berner Architekten Adolphe Tièche erbauten ehemaligen «Grand Hôtel» Thunerhof wurden Räume für Ausstellungen zur Verfügung gestellt, die bis heute das Kunstmuseum Thun beherbergen.

Die Aufgaben der Kunstkommission und des Konservators waren folgende: Sie sollten sich um bereits vorhandene Kunstgüter der Stadt kümmern und diese mittels Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Dazu gehörten u.a. auch Ankäufe der Stadt als Förderung der Thuner Kunstschaffenden, zum Beispiel anstelle eines Atelierzinses, wie es bei Fritz Bütikofer (1903–1991) der Fall war. Und sie sollten darauf achten, dass bei öffentlichen Gebäuden Kunst einbezogen wurde, wofür ein Baukredit zur Verfügung stand. In der Anfangsphase bestand die grösste Arbeit jedoch darin, die im Archivraum im Rathaus aufbewahrten Bestände zu sichten und in Ordnung zu bringen. Seit 1948 wurden zudem neue Werke angekauft. Glaus setzte sich mit unermüdlichem Einsatz und harter, unentgeltlicher Arbeit für die Gründung einer Kunstsammlung ein und kämpfte für geeignete Räume und personelle Ressourcen, die notwendig waren, um Ausstellungsprojekte umzusetzen und zu betreuen. 1954 trat Glaus zurück und vermachte drei Jahre später sein vollständiges lithografisches Werk der Einwohnergemeinde Thun – das bisher grösste Werkkonvolut eines Künstlers in unserer Sammlung.

Paul L. Ganz übernahm die Leitung des Museums ab 1954. Zu seiner Zeit konnte das 10-jährige Jubiläum der Kunstsammlung der Stadt Thun gefeiert werden. Gleichzeitig, von 1958 bis 1959, wurde die längst fällige Restaurierung des grössten Sammlungswerks Panorama von Thun (1809–1914) von Marquard Wocher (1760–1830) umgesetzt. Seit 1961 ist es in der Rotunde im Schadaupark der Öffentlichkeit zugänglich. 1959 wurde die Vereinigung Freunde der Kunstsammlung Thun (heute Förderverein Kunstmuseum Thun) mit dem Ziel gegründet, die Sammlung mit finanziellen Beiträgen zu unterstützen. Ganz legte einen starken Fokus auf die Erweiterung der Sammlung. Dabei erweiterte er die Sammlung um über 600 Werke. 21 Jahre lang war Paul L. Ganz für die Betreuung der Kunstsammlung verantwortlich, bevor er gesundheitlich angeschlagen die Stelle aufgeben musste. Während der Weihnachtsausstellung von 1975/1976 übergab er dem neuen Konservator George J. Dolézal die Leitung.

Bezeichnend für George J. Dolézals Zeit als Direktor in Thun ab 1975 war die Entstehung des neuen Sammlungsschwerpunkts Ende der 1970er-Jahre: Schweizer Pop Art. Er hatte die Kunstkommission von dieser Kunstströmung überzeugen können, die damals in Thun noch relativ unbekannt war. In den 1980er-Jahren gab es weitere einschneidende Veränderungen im Museum: 1981 hielt die KobiK in einem Arbeitspapier die Grundlagen für die Ziele der Kunstvermittlung fest, die ein Jahr später von sieben Lehrkräften bzw. Kunstschaffenden umgesetzt wurden. Die Kunstvermittlung ist seither im Kunstmuseum Thun fest verankert und hat sich schweizweit einen Namen gemacht. Aufgrund seines langjährigen Engagements für und mit Menschen mit Beeinträchtigung wurde das Kunstmuseum Thun mit dem Label «Kultur inklusiv» ausgezeichnet. 1984 wurde die Kunstsammlung der Stadt Thun in «Kunstmuseum Thun» unbenannt. Immer grösser wurde auch der Wunsch von Seiten der Stadt, dass mit dem Ausstellungsprogramm ein möglichst breites Publikum angesprochen und Katalogen, Führungen und Begleittexten mehr Raum eingeräumt werden sollte. Ende der 1990er-Jahre verliess Dolézal das Museum, wobei Wilfried von Gunten von 1997 bis 1999 interimistisch die Leitung übernahm.

Dolézals Nachfolgerin Madeleine Schuppli führte den Schwerpunkt Pop Art weiter und thematisierte 2006 mit Swiss Pop erneut die wenig beachtete Schweizer Pop Art, der sie erst zu Beginn ihres Stellenantritts in Thun begegnet war. Der Fokus auf Schweizer Pop Art ist zu einem wichtigen Bestandteil der Sammlung geworden und so ist es auch ein aktueller Wunsch der Direktorin Helen Hirsch, den Schwerpunkt mit gezielten Werkeinkäufen abzurunden, was in den letzten Jahren mit dem Ankauf von Werken von Samuel Buri, René Myrha, Werner Ritter und last but not least Peter Stämpfli gelungen ist.

Ende der 1990er-Jahre kam es zu massivem Platzmangel im Depot, dem sich Madeleine Schuppli ab 2000 als erste Direktorin im Haus stellte. Es entstand ein neuer Depotraum. Auch das Erscheinungsbild des Museums veränderte sich, der Museumseingang wurde verschoben und es entstand ein Museumsshop. Das Programm änderte sich, der Schwerpunkt lag auf Ausstellungen international bekannter Künstlerinnen und Künstler der jüngeren Generation sowie etablierten Kunstschaffenden aus der Schweiz.

Der jetzigen Direktorin Helen Hirsch, seit 2007 im Amt, ist es wichtig, junge Positionen und vor allem Frauen in der Schweizer Kunstszene zu fördern. Denn auch in der Sammlung sind die Künstlerinnen immer noch stark untervertreten.

Lange Zeit war das Sammeln die Kernaufgabe von Museen. Doch es liegt in der Natur einer Sammlung, dass sie immer grösser wird und mehr Platz beansprucht. Was gesammelt wird, ist nicht nur eine Frage der Qualität sondern auch der Quantität geworden. Das Jubiläumsjahr 2018 war der Startschuss für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Sammlungspflege. Dies bedeutet unter anderem eine Erweiterung der Depotfläche sowie die Restaurierung ausgewählter Objekte und der Entwicklung des Projekts Sammlung online.

Simone Büsch Küng

Leichte Sprache

Leichte Sprache

Der Maler Alfred Glaus will in Thun ein Museum für Kunst.
Die Stadt gründet 1948 ein Kunst-Museum.
Im alten Hotel Thuner-Hof.

Alfred Glaus wird erster Direktor.
Er macht Ausstellungen mit Künstlerinnen und Künstler.
Er kauft neue Kunst-Werke für die Sammlung an.

Ab 1954 ist Paul Ganz Direktor.
Er kümmert sich um das Thun-Panorama.
Er ist für lange Zeit Direktor.
21 Jahre lang.
Er kauft 600 neue Kunst-Werke.

Ab 1975 ist Georg Dolézal Direktor.
Ihn interessieren Kunst-Werke der Pop Art.
Pop Art ist eine Kunst-Richtung
aus den 60er-Jahren.
Ihre Themen:
– Konsum
– Alltag

2000 kommt Madeleine Schuppli.
Sie baut ein neues Depot auf.
Im Depot sind die Kunstwerke zu-hause,
wenn sie nicht in der Aus-stellung sind.

Ab 2007 ist Helen Hirsch Direktorin.
Sie kümmert sich weiter um die Sammlung.
Zum 70. Geburtstag vom Museum startet sie ein Projekt:
Sie möchte die Sammlung im Internet präsentieren.
2021 eröffnet der Katalog online.

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Johannes Itten, Berg und See, 1939/1940, Kunstmuseum Thun, Foto: Christian Helmle
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Karen Amanda Moser, Schneefänger, 2012, Kunstmuseum Thun, Foto: Christian Helmle
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Emilienne Farny, Avenue du Maine, 1960-1972, Kunstmuseum Thun, Foto: Christian Helmle
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Burkhard Hilty, Gelb auf Gelb II, o.D., Kunstmuseum Thun, Schenkung Erbengemeinschaft Burkhard Hilty, Foto: Christian Helmle