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Cantonale-Künstler:innen über ihr Schaffen: Noemi Eichenberger

Aktuell setze ich mich künstlerisch mit den stillen Physiologien des Inneren und des Äusseren auseinander – mit jenen Lebensvorgängen, in denen Körper und Natur einander spiegeln. In meiner Arbeit nähere ich mich den Bewegungen von Wachstum und Zerfall auf eine poetische Weise, als drehte ich um einen Kreislauf des Werdens, der sich nicht mehr eindeutig verorten lässt. Zellhauch irgendwo tief im Körper; unsichtbare Prozesse, die sich wie ein leises Pulsieren fortsetzen. Im Gehirn winden sich Strukturen, verflechten sich Nervenbahnen, verdichten sich zu einem sensorischen Geflecht, das Erinnerungen, Empfindungen trägt. Natur und Pflanzen, Materie, die einen eigenen Atem besitzt – als ob sie ein inneres Denken in sich trüge. Geist, der sich formt; ein Gehirn, das wächst; eine organische Welt, die sich selbst fortschreibt. Mich interessiert dieses geheimnisvolle Ineinandergreifen von Materie und Bewusstsein, in dem Grenzen verschwimmen und neue Formen entstehen – flüchtige Konfigurationen eines fortwährenden Wandels.

Für mich entstehen die zentralen Grenzen meiner Arbeit vor allem durch die technischen und logistischen Aspekte der Produktion. Die Dimensionen und der Standort des Brennofens spielen eine entscheidende Rolle und fliessen stark in meinen Arbeitsprozess ein. Da meine Arbeiten eine ausgeprägte Fragilität aufweisen, bin ich besonders auf diese Rahmenbedingungen
angewiesen. Ich muss sorgfältig überlegen, wie ich arbeite, welche Grössen und Formen realisierbar sind und wie sich das Werk sicher transportieren und brennen lässt. Diese Einschränkungen sind damit nicht nur äussere Vorgaben, sondern prägen auch die Entscheidungen, die ich während des gesamten Entstehungsprozesses treffe.

In meiner künstlerischen Praxis arbeite ich ausschliesslich mit Ton. Dieses Material erlaubt mir, Bewegungen und Formen aus meiner Imagination und Empfindung unmittelbar zu übersetzen. Ich schätze die dialogische Beziehung zum Ton, weil mir die Art und Weise, wie ich seine Materialität und Flexibilität auslote, stets rückmeldet, was möglich ist – und was nicht. Das Arbeiten mit Ton ist für mich ein zutiefst körperlicher Prozess. Meine wichtigsten Werkzeuge sind meine Hände, ergänzt durch ausgewählte Utensilien aus der Welt der Keramik. Manchmal greife ich aber auch zu alltäglichen Gegenständen, die mir intuitiv passend erscheinen und den Arbeitsfluss auf unerwartete Weise bereichern.

Noemi Eichenberger (*1986, lebt und arbeitet in Biel)

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